Immer wieder geistert dieser Gedanke in meinem Kopf herum.

Wohin man sieht oder hört, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren. Nicht nur Gegenstände werden entsorgt, sobald sie nicht mehr passen, nicht mehr gefallen, sich erste „Makel“ abzeichnen. Ohne Frage: Wir leben in Deutschland seit Jahrzehnten in einer Konsumgesellschaft und sind es gewohnt, nahezu jederzeit für jegliches Bedürfnis Ersatzprodukte bekommen zu können. Das Tastenhandy ist out. Das Smartphone, das Auto oder jegliche sonstige elektronische „Spielzeug“ wird aufgrund des technologischen Fortschritts immer schneller durch neuere Modelle mit noch mehr Funktionen und „äußerem Chic“ ersetzt. Kleidung & Co. sind in immer kürzen Zyklen zu ersetzen. Meint man. In was für einer Welt leben wir, wenn Modeunternehmen ihre Kollektionen so planen und produzieren, dass es billiger ist, sich etwas Neues zu kaufen, statt sich mit der lästigen Wäschepflege zu beschäftigen. Wer nicht mitzieht, weil er nicht kann oder möchte, ist „oldschool“. Gleiches lässt sich auf nahezu alle anderen Konsumgüter übertragen. Allerdings… es gibt gegenläufige Entwicklungen, die allerdings auch wieder belächelt oder auf die Spitze getrieben werden.

Der Umgang mit Ding, mit Tier, mit Mensch

Wie kann es da wundern, dass im Umgang mit Lebewesen ebenso umgegangen wird. „Ich hole mir ein neues Handy/Auto/Kleid…“. Die Katze hat eigentümliche Marotten? Der nächste Sommerurlaub steht an, wohin mit dem Hund? Ab ins Tierheim. Das Haustier ist gerade verstorben? Auf, auf: Ein letztes Tränchen abgewischt, ein Ersatztier ist schnell angeschafft. Und im Umgang mit Menschen: Ist der/die Vertraute zu lästig, der/die Geliebte zu widerspenstig, nicht (mehr) repräsentativ genug, vielleicht durch Alter/Krankheit/Job nicht mehr „up to date“? Was soll es denn? Es gibt so viele Andere.

Ich selbst gehe durchaus aufgeschlossen durch die Welt und bin gleichzeitig „bekennend altmodisch“. Ich hänge an alten Dingen und ihrem Charme. Für mich muss es nicht der repräsentative Neuwagen vor der Tür sein. Mein Mobiltelefon hat Kratzer. Kleidung in Farben und Formen, die in der kommenden Saison angesagt sind, stehen mir u. U. gar nicht. Ich muss nicht (mehr) jeden Trend mitmachen. Und ich lasse Menschen gehen, wenn sich mehr und mehr zeigt, dass unsere gemeinsame Zeit abgelaufen zu sein scheint. Manchmal ist oder scheint es endgültig, manchmal sind es nur Phasen. Allerdings gehöre ich auch nicht zu jenen, die meinen „Aus den Augen, aus dem Sinn.“. Ich hänge manchem einst geschätztem oder lieb gewonnenem Menschen oftmals lange nach. Und gehe selbstkritisch mit mir ins Gericht – und auf Menschen (auch mit Worten des Bedauerns für Gewesenes) wieder zu.Sich im Arbeitsleben 

Umgang im Berufsleben

Mein langjähriger Kollege aus frühen Berufsjahren hat mich oft auf die Palme gebracht. Ständig meinte er, sich als Berufserfahrener in mein Aufgabengebiet einmischen zu dürfen oder aufgrund seines Alters als väterlicher Freund präsentieren zu wollen. Ich war seinerzeit eher introvertiert und doch hat er es immer wieder geschafft, dass ich ihm wiederholt und vehement in seine Grenzen verwies. Längst habe ihm nachgesehen, dass er sich permanent bei meinen Eltern und Geschwistern einschmeicheln wollte. Jahre, nachdem sich unsere beruflichen Wege getrennt hatten, überraschte ich ihn mit ausgesprochener Gelassenheit, im Gegenteil sogar mit Wiedersehensfreude, als er sich bei einem Spaziergang in meiner Heimatstadt spontan zu meinen Eltern auf deren Gartenbank platziert hatte. Sofort sprang er auf, guckte etwas Hilfe suchend um sich und begrüßte mich schließlich stammelnd als ich selbst spontan auf einen Besuch bei meinen Eltern dazukam. Diese Szene  versöhnte mich für jeglichen Blutdruckanstieg, den er mir in jungen Jahren beschert hatte. – Heute geht es ihm gesundheitlich sehr schlecht, wie ich dieser Tage erfuhr. Ich werde ihm schreiben. Mich ungefragt auf seine Gartenbank zu setzen, was er vermutlich doch auch gut fände, empfinde ich als übergriffig. Ich werde ihm danken, dass er mich in meiner fachlichen Entwicklung unterstützt hat – wie auch in meiner persönlichen. Das wissen wir beide. Wir haben schon vor Jahrzehnten gelernt, uns unsere Wertschätzung „durch die Blume mitzuteilen“. Und dass wir uns beide nicht verstecken mussten, war ohnehin klar. Im Laufe meines Berufslebens habe ich es mit etlichen Kolleg/INNen zu tun gehabt, die mich forderten und förderten. Nicht Alle sind mir im gleichen Maß präsent geblieben. In manchen Lebensphasen war ich diejenige, die vom beruflichen wie persönlichen Umfeld „entsorgt“ und „ersetzt“ wurde, oft genug war ich es doch auch selbst – oder habe leise meine „7 Sachen“ genommen.

Dankbarkeit – Eine altmodische Tugend?

Längst kann ich aufrichtige Dankbarkeit empfinden

  • für die Haustiere, die mir in schwierigen Zeiten das Leben leichter machten
  • für Freunde, die ich eine Zeit lang zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben zählte und deren Leben einen anderen Abzweig als das meinige nahm
  • für virtuelle Kontakte oder Netzwerkpartner, die so völlig anders „ticken“ – seltsam und völlig falsch, natürlich 😉
  • für Arbeitgeber und Kollegen, die mich forderten und förderten
  • für den Mann, mit dem mich Jahrzehnte verbanden, und der Vater meiner Kinder ist

u.v.m.

Tun oder nicht tun?

Was wäre, wenn wir von Zeit zu Zeit inne hielten (erstmals wirklich bewusst und aus freien Stücken oder viel öfter) und uns fragten, ob und um wie viel es besser oder schlechter wäre, an Gegenständen, Situationen, Menschen festzuhalten oder uns gegen sie zu entscheiden? Dinge sind austauschbar. Wir Menschen sind u. U. in Rollen/Funktionen teilweise oder gänzlich ersetzbar – doch bestehen die Verbindungen fort. Wer weiß z. B. schon, warum „der Prof.“ aus meinem ersten Semester sich zehn Jahre später an mich erinnerte und mich mit der Frage begrüßte, „Wir kennen uns aus meinem Kurs, doch es ist lange her. Wissen Sie noch, wann es in etwa gewesen sein kann?“. Als Arbeitsdirektor eines DAX-dotierten Unternehmens und mit langjähriger Professorentätigkeit hat er es ohne jeglichen Zweifel mit einer enormer Zahl von Gesprächspartnern und Studierenden zu tun gehabt. Irgendwas wird es gewesen sein, dass die gedankliche Verknüpfung zu mir über solch einen Zeitraum hinweg bestand. Ich wollte ihm längst noch mal geschrieben haben, heute da er sich seit vielen Jahren im offiziellen Ruhestand befindet. Solche Sachen mache ich – auch wenn Andere zuweilen meinen, das sei überflüssig, das gehöre sich nicht, was es bringen solle… Ich habe mich in diesem Fall bisher nicht getraut. Vielleicht ist es auch überflüssig, gehört sich nicht, was soll es bringen…