Ich gebe zu, manchmal beneide ich Menschen, die sehr klar fokussiert, strukturiert und penibel ordentlich sind. Ich bin dies alles auch, in Maßen, in Phasen. Ich bin wirklich weit davon entfernt, ein verpeilter Chaot oder gar Messie zu sein. Allerdings bin ich ein Hochstapler, ein Bücherturmbauer. Ich interessiere mich für die unterschiedlichsten Themengebiete. Und wenn ein Thema meine Aufmerksamkeit erreicht hat, bin ich schnell dabei, zu recherchieren, ob es dazu ein Buch gibt. Oder mehrere.

 

Fachleute lesen Fachbücher. Klar, oder? 

 

Viele Jahre habe ich mir meine kreativen Hobbies und das Lesen von Romanen verboten, weil ich an meiner fachlichen Weiterentwicklung arbeitete. Also mussten es Bücher und Fachartikel zu Unternehmensführung, Change Management, Psychologie, Personaladministration, Personalentwicklung, Organisation, Marketing usw. sein. Ich musste feststellen, dass es keine gute Entscheidung war, mich meiner kreativen Seiten berauben. So erlaubte ich mir hin und wieder, einen Roman zu lesen. Wahlweise auf Englisch oder Französisch verfasst. So konnte ich mir gegenüber argumentieren, dass ich meine Fremdsprachenkenntnisse auf diese Weise vertiefte. Ich möchte mich wirklich nicht besser darstellen, als ich bin: Meine Kenntnisse und Fähigkeiten in Hinblick auf die französische Sprache, die Musik in meinen Ohren ist, sind wirklich überschaubar. So las ich eben Romane, die ich bereits aus dem Deutschen oder Englischen kannte, und von denen ich sicher sein konnte, dass ich sie zumindest in weiten Zügen verstehen konnte. Verstehen, ohne bei jedem zweiten Wort ein Fremdwörterbuch bemühen zu müssen. Seit meinem 6monatigen Vollzeit-Business English-Kurs (der – oh! – auch schon wieder 20 Jahre zurückliegt) und dank jahrelanger Berufspraxis, in der die englische Sprache regelmäßig zum Arbeitsalltag gehörte, stellt heute zumindest Business English keine allzu große Hürde für mich dar. Spontaner Small talk und Umgangssprache waren da lange Zeit ein anderes Thema, zudem abhängig vom jeweiligen Gesprächspartner. Zumindest führte all dies dazu, dass ich eine Reihe von Büchern mittlerweile auf Deutsch, Englisch und Französisch besitze und/oder gelesen habe.

 

Was ist eigentlich für wen Fachliteratur?

In einem „früheren Leben“ absolvierte ich eine Führungskräfteausbildung im Möbel- und Einrichtungshandel, während der ich sämtliche Fachabteilungen des Hauses durchlief. Mein damaliger Chef machte sich gern einen Spaß daraus, seine MitarbeiterINNEN zu fragen, ob sie denn auch regelmäßig Fachzeitschriften lesen würden. Meistens lautete die Antwort wohl etwas erschrocken und verschämt, „Nein, leider nicht.“. Auf Nachfrage kam heraus, dass sie allerdings häufiger Frauen-, Wohn- und Einrichtungszeitschriften etc. blätterten oder „studierten“. Voller Freude teilte er ihnen daraufhin mit, dass gerade das für ihre aktuelle Tätigkeit doch Gold wert sei. Sie hätten den Finger am Puls der Zeit und wüssten als Leser/in so genau, worauf die Kundschaft z. B. bei Trends achtete. Ich finde, da ist viel Wahres dran. Über Jahre habe ich mir aus meinen Frankreich-Urlauben z. B. französischsprachige IKEA-Kataloge, Handarbeits- und Kochzeitschriften, Magazine, Rätsel, Wörterbücher mit nach Hause genommen, um quasi nebenbei, „mit leichter Kost“, meine Sprachkenntnisse zu vertiefen und die Besonderheiten hinsichtlich des jeweiligen Schreibstils, der „Kundenansprache“ usw. zu vergleichen.

U. a. habe ich während meiner Zeit in der Möbel- und Einrichtungsbranche die Teppich- und die Stoffabteilung näher kennengelernt. Und was soll ich sagen? Auf wundersame Weise fand ich in Buchhandlungen, auf Internetplattformen und Flohmärkten nicht nur „bunte, bebilderte Heftchen“ sondern hochwertige, gebundene Bücher, die Einblick in Materialkunde, Herkunft und Herstellungsverfahren gaben. Ich arbeitete auch im Bereich Küchenplanung – und so finden sich noch heute diverse Bücher zu diesem Themenkomplex in meinen Bücherschränken. Zu Architektur und Kunst ebenso, aber nur wirklich nur in sehr geringem Umfang und aus rein persönlichem Interesse. Später war ich eine Zeit lang als Führungskraft in der Baumaschinenbranche tätig, aber ich schwöre, es gibt kein Fachbuch und keinen Bildband über solch‘ schweres Gerät in meinen Bücherregalen. (Schwere Maschinen nur in Form EINES Bildbandes über Harley Davidsons, die ich selbst bisher leider nie fuhr –  lediglich eine kleine Suzuki, und auch das ist lange her und eine andere Geschichte. Das Buch habe ich inzwischen an die jüngere Generation in meiner Familie vererbt.). Allerdings: Ich hatte fast immer Leseausweise von städtischen Büchereien und der Universitäts-Bibliothek. Da findet man viel, wenn man will. 😉 Kleine vergilbte Bücherchen zu technischem Englisch oder „Sales“, auf Flohmärkten förmlich angesprungen, zählen nicht. eise zu städtischen Büchereien oder der Uni-Bibliothek. 😉

Mehrere Bücher parallel lesen. Wechselnde Bücherstapel an wechselnden Orten.

Manche Bücher muss man vorn beginnen und Stück für Stück bis zum Ende lesen. Von der Reihenfolge her. Und/oder weil sie einen regelrecht dazu nötigen. Andere kann man querlesen, sich einzelne Themen oder Kapitel rauspicken, will oder muss man wiederholt zur Hand nehmen. Manche Menschen lesen pro Woche – privat, nicht berufsbedingt – mehrere Bücher pro Woche. Schnelllesetechnik heißt das Zauberwort. „Speed reading“ von Tony Buzan habe ich natürlich auch – im Bücherregal, und gelesen, in Verwendung, zuweilen. Eine grandiose Sache! Allerdings: Es gibt Bücher, die WILL ICH nicht schnell lesen. Auch nicht auf dem e-book-Reader, den ich natürlich auch habe. 

Meine Büchertürme stauben nicht ein. Sie werden ja aktiv genutzt. Manche intensiv, manche Bücher nur kurz,  um gezielt etwas nachzuschlagen, Bilder anzugucken, in Erinnerungen oder Atmosphären abzutauchen. 

So ist „Der Bücherberg vor meinem Bett“ eigentlich eine Metapher für die diversen Bücherstapel im Schlafzimmer, im Wohnzimmer, im Büro, im Coaching-Zimmer, im Esszimmer. Die über 100 Kochbücher mit Rezepten zu veganer, vegetarischer, Fisch- und Fleischlastiger Küche, Mittelmeerküche, orientalischer Küche, Low Carb, Vollwertküche etc., auf Deutsch, Englisch, Französich, wurden anlässlich eines zurückliegenden Umzugs vor nicht allzu langer Zeit drastisch reduziert. Bücher von Ernährungs- und Gesundheitsexperten wie Andreas Jopp, Dr. Strunz, Marion Grillparzer, Dr. Brakebusch stehen noch mal wo anders. Nicht alles, was ich zu betriebswirtschaftlichen Themengebieten benötig(t)e oder mich interessiert wurde selbst angeschafft.

Ein Gast, der dieser Tage bei mir war, bekam eine weitgehend Bücherstapelfreie Wohnung zu Gesicht. Allerdings erhielt er auch keinen Zutritt zu Schlafzimmer oder Büro. In meinem Coaching-Raum hätte er allerdings ein, zwei Bücher zur Thematik „Minimalismus“ entdecken können, denn das ist tatsächlich ein aktuelles, persönliches Thema bei mir. Wir sprachen ohnehin kurz darüber. Angesichts der überschaubaren gemeinsamen Zeit an dem Tag nur kurz. Aber wir werden uns wiedersehen und vermutlich werde ich dann den einen oder anderen Literaturhinweis von ihm nachgegangen sein. 

Im Vergleich zu meiner Schwester – und vielen Anderen – bin ich wirklich ein zutiefst ungebildeter und ignoranter Mensch. Was soll ich tun? Ich lebe und arbeite ja auch noch – und hätte noch andere Interessensgebiete vorzuweisen. So bleibt mir vielleicht zu recht der Vorwurf: „Die kann nix.“ bzw. „Du willst wohl unbedingt dazugehören.“. Aus dem Mund von Menschen, deren Meinung einem wichtig ist bzw. war, die mir aufgrund ihrer beruflichen oder persönlichen Stellung nahe waren, und Einblick hatten, warum  reflektiertes Fachwissen in bestimmten Phasen meines Lebens zwar jederzeit verstanden, aber die Worte nicht aus meinem Kopf bzw. auf Papier wollten, können solche entgegen geschleuderten Sätze weh tun. Die Wunden sind verheilt. Ich lese weiter, was immer ich will – und spreche/schreibe wieder. Zu manchen Themengebieten äußere ich mich, weil ich meine, mitreden zu können. Zu anderen Themen schweige ich, weil ich wirklich nichts weiß oder nicht genug Wissen dazu habe. Was Musik anbelangt oder Sport, Philosophie z. B., da bin ich „Analphabet“ oder „Legastheniker“, Zahlen, Daten, Fakten zu Geschichte und Politik lückenhaft. Ich lese weiter. Heute, morgen, irgendwann. 

„Privater Literaturkatalog“

„Wir müssen endlich mal eine gemeinsame Aufstellung machen, welche Bücher wir besitzen und uns gegenseitig ausleihen können. Wozu Bücher doppelt anschaffen?“, beschließen meine Schwester und ich regelmäßig. Dazu die Bücher unserer anderen Geschwister, unseres Vaters. Regionale Zeitgeschichte bei meinem Bruder, ebenso Technik, Steuerrecht bei einer anderen Schwester… – und dazu noch jede Menge (Fachbuch-)Autoren m/w im persönlichen Universum oder beruflichen Netzwerk. Fragen Sie doch einfach mal, wenn Sie einen Buchtipp brauchen, vielleicht habe ich da was, oder kenne wen…

 

 

 

 

 

 

 

… und ja, das Bild zeigt den aktuellen Bücherstapel vor meinem Bett, den ich aber andernorts fotografiert bzw. in Teilen inzwischen wieder zurücksortiert habe…